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IT-Sicherheit

Türme von Hanoi als Backup-Rotationsschema: Mehr Sicherheit durch gestaffelte Generationen

September 20266 min Lesezeit

Backup-Medien, egal ob Bänder, Festplatten oder Cloud-Snapshots, kosten Geld und Speicherplatz. Wer mit wenigen Medien trotzdem möglichst weit in die Vergangenheit zurückblicken will, landet früher oder später beim Hanoi-Rotationsschema, einem der ältesten und durchdachtesten Verfahren der klassischen Bandsicherung. Wir erklären, wie es funktioniert, wo es dem einfacheren FIFO-Prinzip überlegen ist und für wen sich der zusätzliche Aufwand lohnt.

Woher der Name kommt

Namensgeber ist das jahrhundertealte Logikrätsel "Türme von Hanoi": drei Stäbe, mehrere unterschiedlich große Scheiben, die nach festen Regeln von einem Stab zum anderen bewegt werden müssen, wobei nie eine größere auf eine kleinere Scheibe zu liegen kommt. Das Besondere an der Lösung: Manche Scheiben werden bei jedem Zug bewegt, andere nur alle paar, wieder andere nur alle sehr vielen Züge, die Bewegungshäufigkeit halbiert sich von Scheibe zu Scheibe. Genau dieses Muster, wenige Medien werden sehr oft verwendet, andere sehr selten, übertrugen IT-Administratoren in den 1990er-Jahren auf die Bandrotation und schufen damit ein Rotationsschema, das mit wenigen Medien einen ungewöhnlich langen Zeitraum abdeckt.

Das Prinzip: exponentiell gestaffelte Rückhaltezeiten

Statt wie bei FIFO alle Medien gleich häufig zu nutzen, bekommt beim Hanoi-Schema jedes Medium eine eigene Ebene mit eigener Nutzungshäufigkeit. Medium A wird an jedem zweiten Tag beschrieben, Medium B nur an jedem vierten, Medium C an jedem achten, Medium D an jedem sechzehnten, und so weiter. Jede weitere Ebene verdoppelt den Abstand zur vorherigen. Mit nur fünf Medien deckt man auf diese Weise bereits einen Rotationszyklus von 32 Tagen ab, mit FIFO bräuchte man für denselben Zeitraum 32 einzelne Medien.

Der praktische Effekt: Für die jüngste Vergangenheit stehen viele, eng getaktete Wiederherstellungspunkte zur Verfügung, für weiter zurückliegende Zeiträume dagegen wenige, aber eben vorhandene Sicherungen. Man verliert also keine komplette Historie, sondern nur deren Auflösung: Ein Datenstand von vor zwei Wochen lässt sich noch rekonstruieren, nur eben nicht mehr tagesgenau.

Ein Beispiel aus der Praxis

Fünf Bänder, A bis E, im Einsatz: Band A wird an jedem Werktag beschrieben, immer der jeweils aktuellste Tagesstand. Band B kommt nur einmal pro Woche zum Zug und hält damit einen wöchentlichen Stand vor. Band C wird nur alle zwei Wochen neu beschrieben, Band D monatlich, Band E hält den ältesten, am seltensten überschriebenen Stand. Fällt am Freitag auf, dass eine Datei bereits am Montag beschädigt wurde, hilft der tagesaktuelle Stand von Band A nicht weiter, wohl aber der Wochenstand auf Band B. Wird ein Problem erst nach drei Wochen entdeckt, liefert Band C oder D noch einen brauchbaren, wenn auch nicht taggenauen Zustand.

Vorteile gegenüber FIFO

Der entscheidende Vorteil ist der lange Rückblick-Horizont bei überschaubarem Medienbedarf. Gerade bei Ransomware-Angriffen mit langer Verweildauer im Netzwerk, oft Wochen, bevor die eigentliche Verschlüsselung startet, erhöht das die Chance deutlich, noch eine unbeschädigte, alte Generation zu besitzen. Auch Fehler, die erst spät auffallen, etwa eine schleichend fehlerhafte Datenmigration, lassen sich mit den älteren, gröber getakteten Ständen oft noch reparieren.

Nachteile: mehr Komplexität, ungleiche Abnutzung

Der Preis für den langen Rückblick ist Verwaltungsaufwand. Ohne automatisierte Backup-Software ist die Zuordnung, welches Medium wann an der Reihe ist, von Hand fehleranfällig, ein vertauschtes Band sprengt sofort das ganze Schema. Bei physischen Bändern oder Festplatten kommt eine ungleiche Abnutzung hinzu: Das Medium der ersten Ebene wird um ein Vielfaches häufiger beschrieben als das der letzten Ebene und verschleißt entsprechend schneller, ein Aspekt, den viele Betriebe beim Medienwechsel übersehen. Und eine Wiederherstellung aus einer sehr alten Generation bringt naturgemäß nur eine grobe zeitliche Auflösung, für die exakte Version von vor drei Wochen gibt es meist nur einen einzigen, nicht mehrere mögliche Stände.

FIFO und Hanoi im Vergleich

KriteriumFIFOHanoi-Schema
Rückblick-HorizontKurz, direkt an Medienanzahl gekoppeltLang, wächst exponentiell mit jeder Ebene
MedienbedarfEin Medium pro RückblickstagWenige Medien für viele Wochen Rückblick
VerwaltungsaufwandSehr gering, leicht verständlichHöher, am besten automatisiert
MedienabnutzungGleichmäßig auf alle Medien verteiltUngleich, unterste Ebene deutlich stärker beansprucht
Ransomware-ResilienzGering bei langer Angriffs-VerweildauerDeutlich höher durch alte, unangetastete Generationen

Für wen lohnt sich der Aufwand?

Das Hanoi-Schema lohnt sich vor allem dort, wo Datenverlust teuer wird und ein rein kurzfristiger Rückblick nicht ausreicht: Betriebe mit Compliance- oder Revisionsanforderungen, Unternehmen, die schon einmal Ziel eines Angriffs waren oder eine besonders sensible Kundendatenbasis verwalten, und generell überall dort, wo eine spät entdeckte Kompromittierung wirtschaftlich schwerer wiegt als der zusätzliche Verwaltungsaufwand. Für einen sehr kleinen Betrieb mit unkritischen, sich ohnehin täglich überschreibenden Daten ist der Aufwand dagegen oft nicht gerechtfertigt, hier reicht meist ein einfacheres Schema wie FIFO, kombiniert mit einer zusätzlichen externen Kopie nach der 3-2-1-Regel.

Moderne Backup-Software macht es einfacher

Gute Nachricht für alle, die vor der manuellen Verwaltung zurückschrecken: Moderne Backup-Lösungen wie Veeam oder Synology Active Backup bilden Generationenprinzipien wie Hanoi oder die verwandte, etwas vereinfachte GFS-Rotation (Grandfather-Father-Son, mit fester täglicher, wöchentlicher und monatlicher Ebene) automatisch ab. Die exponentielle Staffelung läuft im Hintergrund, ohne dass jemand von Hand Medien zuordnen muss, das Prinzip bleibt dasselbe, der Verwaltungsaufwand sinkt aber auf ein Minimum.

Fazit

Das Hanoi-Rotationsschema tauscht etwas mehr Komplexität gegen einen deutlich längeren, gestaffelten Rückblick ein, und genau das macht es zu einer der wirksamsten Verteidigungslinien gegen Ransomware mit langer Verweildauer im Netzwerk. solutioIT richtet für Betriebe im Westerwald automatisierte Backup-Konzepte mit passendem Rotationsschema ein, von der einfachen FIFO-Rotation bis zum gestaffelten Generationenprinzip, im Rahmen unserer Server- und Netzwerkbetreuung.

Häufige Fragen

Was ist das Hanoi-Rotationsschema bei Backups?

Ein Backup-Rotationsschema, benannt nach dem Logikrätsel Türme von Hanoi, bei dem verschiedene Sicherungsmedien unterschiedlich oft beschrieben werden: eine Ebene täglich, die nächste nur halb so oft, die übernächste noch seltener. Mit wenigen Medien lässt sich so ein deutlich längerer Zeitraum abdecken als mit einer einfachen FIFO-Rotation.

Ist das Hanoi-Schema komplizierter als FIFO?

Ja, deutlich. Während bei FIFO alle Medien gleich behandelt werden, braucht Hanoi eine klare Zuordnung, welches Medium wann an der Reihe ist. Von Hand ist das fehleranfällig, moderne Backup-Software wie Veeam oder Synology Active Backup übernimmt die Verwaltung aber automatisch.

Was ist der Unterschied zwischen Hanoi- und GFS-Rotation?

GFS (Grandfather-Father-Son) ist eine vereinfachte, feste Variante desselben Grundgedankens mit genau drei Ebenen: täglich, wöchentlich, monatlich. Das klassische Hanoi-Schema staffelt beliebig viele Ebenen exponentiell und deckt dadurch potenziell einen noch längeren Zeitraum ab, ist dafür aber auch etwas komplexer in der Verwaltung.

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